Gauss-Telegraph: Día de los Muertos

Gauss-Telegraph: Día de los Muertos

Tag der Toten im Gauss- Haus am 30.10.2018

Über Trauerrituale und Gemeinschaft in Mexiko

An diesem Dienstagabend kamen wieder zahlreiche Gauss-Friends zusammen, um eine neue Kultur, ihre Brauchtümer, typischen Mahlzeiten und Geschichten kennenzulernen. Im Fokus des Abends stand das Land Mexiko und dessen einzigartiger Feiertag – “Día de los Muertos” – Der Tag der Toten. Man könnte glauben dies wäre ein trauriges Beisammensein, jedoch nicht in Mexiko….

Als der in Braunschweig lebende Student Ramses Rosas Ibarra aus Mexiko City seinen Vortrag über den “Tag der Toten” beginnt, versetzt er die vielen Zuhörer*innen sofort in eine freudige Stimmung. So berichtet Ramses leidenschaftlich von Festtagsumzüge in den Tagen vom 31. Oktober auf den Straßen Mexikos, auf denen buchstäblich „Höllencharakter“ entsteht: Mexikaner*innen ziehen als Skelette verkleidet durch die Straßen und feiern mit Musik und Tanz den Tag der Toten. Abends, wenn die Sonne untergeht, so Ramses, wird bei Kerzenschein gemeinsam auf den Friedhöfen weiter gesungen, gegessen, getanzt und gelacht. Alle feiern gemeinsam, religionsunabhängig diesen Tag, der auf eine besondere Weise die mexikanische Kultur reflektiert – eine Synthese spanischer und aztekischer Einflüsse.

“We make a party on the death”, erzählt Ramses.

Was im ersten Moment makaber erscheinen mag, entpuppt sich bei genauerem Hinhören als traditionelles Familienfest. Ramses erzählt mit leuchtenden Augen, wie seine Familie und Freunde so einmal im Jahr wieder zusammenkommen, tot und lebendig.

Der Volksglaube besagt, dass die Seelen der Verstorbenen am “Día de los Muertos” zu ihren geliebten Menschen zurückkehren und den Lebenden im Diesseits einen Besuch abstatten. Dinge, die die Toten im Jenseits vermissen könnten- sogenannte Ofrendas, werden auf die Altäre gestellt. Mochte der geliebte Verstorbene beispielsweise besonders gerne Tequila, Zigarren oder Pizza? Dann werden ihm diese liebsten Dinge natürlich an den Altar gebracht. Doch nicht nur für das leibliche Wohl wird gesorgt – auch farbenfrohe, gelborangene Ringelblumen, die “Flores de Muertos” spielen eine große Rolle während der Feiertage. Sie dienen als Wegweiser, mit deren Hilfe die Toten ins Diesseits zurückfinden sollen. Zwar glaubt nicht jeder daran, dass die Geister wirklich ins Diesseits zurückkehren, doch schwelgen alle in diesen Tagen in Erinnerungen an gemeinsame schöne Momente mit den liebsten Freund*innen oder Familienmitgliedern.

An diesem Tag geht es insbesondere darum, so Ramses für andere in der Gemeinschaft da zu sein.

Während des gesamten Vortrages spürt man die Liebe und den Stolz, den Ramses für seine Heimat empfindet. Seine Augen leuchten und seine Energie verleiht dem ganzen Gauss Saal eine temperamentvolle Atmosphäre. Am Ende des Vortrages verspürt man jedenfalls große Lust Ramses Einladung zu folgen und ihn in seiner farbenfrohen, fröhlichen Heimat einmal zu besuchen. Doch wann empfinden wir einen Ort eigentlich als Zuhause, als Heimat? Wann werden wir wie Ramses fast nostalgisch, wenn wir anderen von diesem Ort erzählen?

Was macht dieses Gefühl aus? Ein vertrauter Raum, die Nachbarn und Freunde, das leckere Essen, die gewohnten Feste? Sind es diese Sitten und Bräuche, die als zeitloses Zeichen für Heimat fungieren? Ist es überhaupt ein Ort? Oder ist es viel mehr die Zugehörigkeit und die Vertrautheit, die dieses Gefühl von Verbundenheit entstehen lassen? Was ist es bei dir?!

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