Gauss-Telegraph: Rückblick – “Liebe-Grüße-Gauss“ Projekt

Gauss-Telegraph: Rückblick – “Liebe-Grüße-Gauss“ Projekt

Im vergangenen Semester trafen sich wöchentlich Studierende und andere Interessierte in der Gauss-Bibliothek, um gemeinsam einen ganz besonderen Briefwechsel zwischen Carl-Friedrich-Gauß und seiner Frau Johanna zu lesen. 

Bei den Briefen handelt es sich um 11 Briefe, die sich C. F. Gauß und seine Frau Johanna vor etwa 242 Jahren gegenseitig schrieben. Obwohl C. F. Gauß mit komplizierten geometrischen Überlegungen beschäftigt war, verstellte ihm dies nicht den Sinn für die Realitäten und die Freuden des Lebens. Im ersten Brief, der Verlobungsantrag an Johanna, wird der sonst eher als Analytiker wahrgenommene C. F. Gauß zu einem gefühlvollen Schwärmer.

Am 12. Juli 1804 Verlobungsantrag, sendete Gauß diesen Antrag an seine Frau, die er liebevoll „Hanchen“ nannte. Die weiteren Briefe nahmen die Teilnehmer*innen mit auf ein paar Alltagsreisen der beiden Liebenden, sie erzählten wie alles anfing und wie die Liebesbeziehung enden musste. Der letzte Brief ist nämlich eine Totenklage, da Johanna Gauß an den Folgen der Geburt des dritten gemeinsamen Kindes Louis verstarb. Dazwischen schrieb sich das Liebespaar Alltägliches, sodass einzigartige Einblicke in das private Umfeld, die Gedanken, Gesundheit, Sorgen und Freuden des großen Mathematikers, Physikers und Geodäts gewonnen werden konnten. 

Bei den wöchentlichen gemütlichen Lesetreffen wurden so bei Kaffee, Tee und Süßem die interessanten Kurztexte gelesen. Durch die Beschreibungen von C. F. Gauß und seiner Frau konnten die Teilnehmer*innen  einzigartige historische Einblicke in die Zeit zu Beginn des 19 Jh. erhalten. Welche Beziehung pflegte man zur damaligen Zeit zu Kind und Frau? Welche Schwierigkeiten bestanden beim Postverkehr und Reisen? Wie ging man mit Krankheiten um? Welche Mentalitätsunterschiede gab es? Und wie war die politische Situation? 

Natürlich war nicht immer alles Geschriebene sofort verständlich, da die Sprache sich über die Jahrhunderte hinweg kontinuierlich verändert hat, sodass manche Formulierungen heute nicht mehr so häufig oder überhaupt nicht mehr verwendet werden. Aus diesem Grund, entstand während des Lesekreises ein Glossar. Zusätzlich bestand die Möglichkeit sich über Bedeutungen und Unklarheiten mit zwei Muttersprachlerinnen. In einer angenehmen Atmosphäre konnten so Sprachkenntnisse vertieft und angewendet werden. 

Beim Interpretieren der Texte, waren besonders die unterschiedlichen Kulturperspektiven spannend, da die Teilnehmer*innen des Lesekreises aus verschiedensten Regionen der Welt (Kolumbien, Brasilien, Ukraine, Jemen, Marokko, Deutschland, La Réunion, China, Korea und Indien ) zusammen kamen, um mehr über den großen Denker, sowie Sprache und Kultur zu erfahren. Die Völkerverständigung sowie interkulturelle Begegnungen nahmen bei den Lesetreffen eine wichtige Rolle ein.

Im Rahmen eines Wettbewerbs zum Lesekreis konnten die Teilnehmer*innen Zeichnungen, Bilder und Interpretationen zu den Briefen einreichen, die unter anderem Teil einer zweisprachigen kleinen Buches sein werden, die am 30.04.2019 zum Geburtstag von C. F. Gauß feierlich veröffentlicht wird.

Vorteilhaft für Teilnehmende Studierende war zudem, dass der Gauss-Lesekreis teil des Gauss-Zertifikates ist und so gleichzeitig Punkte zum Erhalt des Zertifikats gesammelt werden konnten. 

Falls Du auch Lust hast im nächsten Semester mehr über C. F. Gauß zu erfahren, deine Sprachkenntnisse zu verbessern, Kultureinblicke zu erhalten oder andere Studierende kennenzulernen, dann komm auch vorbei wenn mit dem neuen Semester auch der Lesekreis in eine zweite Runde geht!

Der Leserkreis richtet sich an alle die sich mit der deutschen Sprache näher beschäftigen wollen. Voraussetzung sind Freude am Lesen und Deutsch auf mind. B2 Niveau.

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