Statement: Internationale Studierende in Not

Statement: Internationale Studierende in Not

Die Corona-Krise stellt eine große Herausforderung für Studierende in Deutschland dar. In den letzten Wochen wurden Maßnahmen für Studierende in Not gefordert. Allerdings werden die Folgen der Corona-Krise für internationale Studierende vernachlässigt bzw. nicht wahrgenommen. Knapp 15 % der Studierenden in Deutschland kommen aus dem Ausland und ein großer Anteil dieser Gruppe leidet unter den folgenden Problemen:

Ausländerbehörde

Heutzutage ist es bekannt, dass internationale Studierende häufig zwei Prüfungsämter begegnen müssen: Prüfungsamt an der Uni und die Ausländerbehörde. Zur Verlängerung eines Aufenthaltstitels zu Studienzwecken muss ein ordnungsgemäßer Studienverlauf vorliegen. Dies bedeutet, dass das Studium die durchschnittliche Studiendauer nicht um mehr als drei Semester überschreiten darf. Somit werden internationale Studierende gefordert, eine angemessene Anzahl an Leistungspunkte pro Semester zu erwerben. Allerdings wurden viele Prüfungen aufgrund der Pandemie abgesagt. Zurzeit ist es unklar, ob die abgesagten Prüfungstermine des Wintersemesters 2019/20 nachgeholt werden. Dies gefährdet den ordnungsgemäßen Studienverlauf von den internationalen Studierenden und kann zu Problemen bei der nächsten Verlängerung des Aufenthaltstitels führen. 

Studienfinanzierung

Für die Durchführung eines Studiums müssen internationale Studierende ausreichende Mittel zur Sicherung des Lebensunterhaltes einschließlich Krankenversicherungsschutz bei der Ausländerbehörde nachweisen. „Ausreichende Mittel“ entsprechen dem BAföG-Regelförderungssatz (z.Zt. 853 EUR monatlich). Allerdings haben internationale Studierende keinen Anspruch auf BAföG und dementsprechend sind sie auf Stipendien, den Unterhalt der Eltern oder Jobs finanziell angewiesen. Universitäten in Deutschland vergeben kaum Stipendien für internationale Studierende im Vergleich zu anderen Ländern. Deshalb kommt diese Option nur für eine überschaubare Anzahl von internationalen Studierenden in Frage. Die weltweite Pandemie bringt nicht nur Studierende unter finanziellem Druck, sondern auch ihre Eltern in den Heimatländern, die unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise leiden. Dabei ist zu betonen, dass viele internationale Studierende – insbesondere aus unterentwickelten Ländern – selbst ihre Eltern finanziell unterstützen müssen. Deswegen können viele Studierende sich nicht auf den Unterhalt der Eltern verlassen.

Letztlich bleibt die Ausübung einer Beschäftigung während des Studiums als die einzige Möglichkeit zur Finanzierung des Lebensunterhalts in Deutschland. Allerdings sind viele Jobs in den letzten Wochen weggefallen. Neben Jobs in der Gastronomie und Hotellerie werden auch HiWi-Jobs an der Universität gekündigt, die nicht für Home-Office gestattet sind (z.B. in der Technik und Verwaltung). Momentan besteht eine Unsicherheit bezüglich der Wiederaufnahme von diesen Jobs. Infolgedessen ist die finanzielle Unsicherheit für internationale Studierende besonders hoch.

Psychische Belastung

Die Probleme mit der Ausländerbehörde und die finanzielle Unsicherheit führen auch zur psychischen Belastung. Gerade bei internationalen Studierenden, die sich in einem fremden Land befinden und insbesondere während dieser Zeit unter der Einsamkeit leiden, sind die psychischen Konsequenzen sehr groß. Auch wenn manche internationale Studierende ihre Eltern während der vorlesungsfreien Zeit besuchen wollten, sind sie jetzt gezwungen, aufgrund von Reisebeschränkungen in Deutschland zu bleiben. Der Jobverlust und Entfernung von den Eltern erschwerten die psychische Lage der internationalen Studierenden.

Rassismus

Rassismus im Alltag ist leider eine traurige Realität in Deutschland. Das Thema Rassismus an Hochschulen (oder allgemein in Deutschland) wird häufig übersehen. Jedoch hat sich dieses Problem seit Beginn der Corona-Krise verstärkt. Insbesondere Studierende aus China, Südkorea oder Iran litten unter Diskriminierung oder rassistische Angriffe. Sogar deutsche Studierende mit Migrationshintergrund begegnen Rassismus in ihrem Alltag. Egal ob im Supermarkt, an der Uni oder an der Straße sollte Rassismus nicht toleriert werden.

Der Bundesverband ausländischer Studierender hat am 17.03 in einem offenen Brief an Bildungsministerin Karliczek, Innenminister Seehofer und ihre Kollegen und Kolleginnen im Namen der internationalen Studierenden in Deutschland gefordert, verschiedene Maßnahmen umzusetzen. 

Die Gauss Friends solidarisieren sich im Namen des Gauss International Clubs mit den internationalen Studierenden und bitten die TU Braunschweig und die Stadt Braunschweig, die aktuelle Lage der internationalen Studierenden wahrzunehmen und geeignete Maßnahmen für ihre Unterstützung zu treffen. 

Hochachtungsvoll,

der Vorstand der Gauss Friends

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