Gauss-Telegraph: Wie kann man…Seine Fremdsprachenkenntnisse verbessern

Gauss-Telegraph: Wie kann man…Seine Fremdsprachenkenntnisse verbessern

von Lena Heinecke

Es gibt viele gute Gründe, eine Fremdsprache neu zu lernen oder weiter zu verbessern, sei es z.B., weil es das Studium erleichtert, als Urlaubsvorbereitung, weil man seine Kenntnisse aus Schulzeiten auffrischen möchte oder weil man nach der Rückkehr aus dem Auslandssemester die Sprache nicht vergessen möchte. Vielleicht hat man auch vor Kurzem einen Sprachkurs beendet oder ist in einer Beziehung mit einer Person aus einem anderen Land. So manch eine*r weiß in diesen Situationen überhaupt nicht, wie er*sie anfangen kann, manch ein*e andere*r ist von der Vielfalt der Optionen überfordert. In diesem „How-To“-Artikel soll es daher anhand meiner eigenen Erfahrungen beim Lernen der chinesischen Sprache um die verschiedenen Möglichkeiten gehen, die zum Üben von Sprachen genutzt werden können.

Wenn man mit dem Lernen einer neuen Sprache beginnt, ist ein Sprachkurs meines Erachtens nach immer ein sehr guter Anfang. Das gilt sowohl für Menschen, die gerne die Logik hinter einer Sprache verstehen und strukturiert lernen, als auch für alle Personen, die beim selbstständigen Lernen schnell aufgeben. Durch die Teilnahme an einem Sprachkurs gibt es festgelegte Kurszeiten, regelmäßiges Feedback zum Lernfortschritt und Lernziele, die in einer pädagogisch sinnvollen Weise aufeinander aufbauen. Zudem kann man so das Grundgerüst einer Sprache erlernen. (Sprachkurse am Sprachenzentrum der TU Braunschweig sind übrigens für alle Studierenden kostenlos.) Nachteilig ist dabei, dass das Tempo nicht individuell bestimmt werden kann. Wer keinen Sprachkurs besuchen möchte oder kann, aber Struktur benötigt, kann sich ein Lehrbuch kaufen und sich an der darin vorgegebenen Reihenfolge orientieren oder Apps wie Babbel (kostenpflichtig) nutzen. Die Sprachpraxis kommt aber oft zu kurz, wenn man alleine lernt und man hat manchmal zu hohe Ansprüche an sich selbst.

Es ist sehr effizient, so einen Sprachkurs direkt im Ausland zu besuchen und ihn vielleicht mit einem Praktikum, Auslandssemester oder Urlaub zu verbinden. Meiner persönlichen Erfahrung zufolge ist ein Auslandsaufenthalt (also in dem Land, dessen Sprache du lernen möchtest) der erfolgreichste Weg, eine Sprache zu lernen, weil man täglich Kontakt mit der Sprache hat und somit auch passiv lernt. Beispielsweise redet man beim Einkaufen im Supermarkt mit den Mitarbeitern, liest die Produktnamen und hört Gespräche von anderen Kunden. Für mich war es z.B. beim Chinesisch lernen immer ein großer Motivationsfaktor, dass ich jeden Tag in der U-Bahn mehr Schriftzeichen als am Vortag lesen konnte und die Durchsagen zumindest teilweise verstanden habe.

Für alle, die mindestens Grundkenntnisse in der entsprechenden Sprache vorweisen können, ist ein Sprachkurs nur noch eine von vielen Optionen. Für alle Lernziele gibt es passende Lernmöglichkeiten: Das Lesen von Büchern und Zeitungsartikeln trainiert das Leseverstehen, und wer sein Hörverstehen verbessern möchte, kann Musik hören oder Videos in der jeweiligen Sprache anschauen. Mir helfen Videos sehr, mein Sprachgefühl zu verbessern, d.h. in welcher Situation ein gewisser Ausdruck genutzt wird und wie er jeweils betont wird. Das geht mit Filmen genauso gut wie mit Videos auf YouTube oder Apps wie TikTok (für Chinesisch Douyin) und Ähnlichem.

Meine Lieblingsmethode beim Sprachenlernen ist das Sprechen (oder Schreiben) mit Muttersprachler*innen. Wenn man aus dem Ausland zurückkehrt, sollte man unbedingt den Kontakt mit seinen Freund*innen von dort aufrechterhalten und zum Beispiel mit ihnen chatten oder skypen etc. Wer im Ausland ist, kann auf viele verschiedene Arten neue Freund*innen kennen lernen, beispielsweise bei Veranstaltungen, wie sie die Gauss Friends wöchentlich veranstalten, beim Sport oder durch die Teilnahme an einem Tandem Programm. Dabei lernen zwei Teilnehmer*innen jeweils die Muttersprache der anderen Person, indem die Hälfte der Zeit Sprache A und die andere Hälfte Sprache B gesprochen wird. Auf diese Weise tauscht man sich über seine Kulturen aus und lernt nebenbei auf entspannte Weise die Sprache. Viele Universitäten bieten Tandemprogramme an, außerdem gibt es unzählige Apps wie HelloTalk, bei denen man Tandempartner*innen finden kann. Die Tandempartnerin, die ich vor über vier Jahren bei einem Tandemprogramm in Shanghai kennen gelernt habe, ist dadurch meine beste Freundin geworden und lebt inzwischen sogar auch hier in Braunschweig. Bei allen Gesprächen mit Muttersprachler*innen gilt: Keine Angst vor Fehlern! Dein Gegenüber kann dich sicher auch verstehen, wenn du das Verb falsch konjugiert hast.

Mein Gefühl ist, dass man ohne Sprachkurs langsamer lernt, aber dafür „realistischere“ Ausdrucksweisen kennen lernt, also sich eher wie Muttersprachler*innen ausdrückt und durch das regelmäßige Nutzen der Sprache allgemein fließender spricht. Verschiedenen Übungen zur Grammatik und neuem Wortschatz sollten bei dieser selbstständigen Lernweise jedoch auf jeden Fall eine besondere Aufmerksamkeit zukommen. Für den Wortschatz bietet es sich an, unbekannte Wörter, die einem in Gesprächen oder Videos auffallen, aufzuschreiben, zu übersetzen und diese so zu lernen, wie man sonst auch am besten Vokabeln lernt (also z.B. mit Karteikarten, Beispielsätzen, Wortnetzen, dem Hinkleben in der Wohnung usw.)

Alle in der zweiten Hälfte des Artikels genannten Methoden sind selbstverständlich auch für Anfänger*innen zu empfehlen, in dem Fall aber als Ergänzung zum Sprachkurs und besser nicht alleine einzusetzen.

Zur Motivation kann man übrigens sowohl vor dem Beginn als auch nach einigen Monaten des Lernens einen kurzen Text schreiben, eine Sprachaufnahme machen o.Ä., die man dann als „Vorher-Nachher“ miteinander vergleicht und so seinen eigenen Fortschritt verdeutlicht bekommt.

Jetzt heißt es also: Sich überlegen, welche Ziele man verfolgt, die dazu passende(n) Methode(n) auswählen und dann einfach anfangen. Viel Erfolg!

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